Nachdem ich mehrere Wochen hier auf meinem Blog überhaupt nichts veröffentlicht habe, kommt heute nun ein relativ langer Bericht zu einem meiner letzten Projekte. Lange habe ich überlegt, ob ich dazu überhaupt etwas schreiben soll. Denn leider gehören die Erlebnisse, Erfahrungen und vor allem das Ergebnis nicht zu denen, die ich mir bei meinem Hobby wünsche. Aber nun will ich es doch erzählen und deshalb von Anfang an…

Vor mehr als einem Jahr habe ich mein erstes C2C Projekt begonnen. Ich wollte diese Technik unbedingt einmal ausprobieren, weil ich schon so viele tolle Ergebnisse dieser Art im Web gesehen hatte. Einem erfahrenen Häkelfreund dürfte sie bestens bekannt sein. C2C oder Corner2Corner  bedeutet soviel wie „von Ecke zu Ecke“. Man häkelt also über die Diagonale und nicht über die Länge oder die Breite eines Stücks.

Grafik Quadrat © cc bon

Man beginnt in einer Ecke und häkelt ein Dreieck, indem man auf beiden Seiten der Reihe gleichmäßig Zunahmen arbeitet. Dadurch wächst das Dreieck bis zur gewünschten Schenkellänge. 
Die rote Schraffur in der Grafik zeigt die Häkelrichtung an. 

Mit dem Beginn der Abnahmen arbeitet man das gegenüberliegende Dreieck (blaue Schraffur), so dass am Ende ein Viereck ensteht. Bei gleichmäßigen Zu- und Abnahmen auf beiden Seiten werden alle Schenkel gleich lang und man erhält ein Quadrat. 

Grafik Rechteck © cc bon

Verändert man die Abnahmen und arbeitet einen Schenkel länger als den gegenüberliegenden, entsteht ein Rechteck.  

Wie jedoch funktioniert C2C konkret?
Die diagonalen Reihen werden durch die Aneinanderreihung von kleinen Blöcken gebildet. Man beginnt mit einem Block, das ist die erste Reihe. Reihe zwei besteht aus zwei Blöcken, Reihe drei aus drei usw., bis die gewünschte Schenkellänge erreicht ist. Dann reduziert man die Anzahl der Blöcke in jeder Reihe wieder um eins.

Jeder Block besteht aus drei Luftmaschen (als Stäbchenersatz) und drei weiteren Stäbchen. Die Blöcke einer neuen Reihe werden durch Kettmaschen um die LM-Kette mit dem jeweiligen Block der Vorreihe verbunden.

Es gibt ganz tolle Fototutorials, die jeden einzelnen Schritt vom ersten Block an erläutern, die Zunahmen erklären und gleichermaßen das Vorgehen beim Abnehmen, also dem Verkürzen der Reihen, beschreiben. Ich bin leider viel zu spät darauf gestoßen, als ich mich schon lange durch einfache Beschreibungen im Web gearbeitet habe. Wer, so wie ich, lieber mit Fotobeschreibungen statt Videos lernt, findet ein sehr gut aufgebautes Tutorial z.B. unter Talu it yourself.

Mit der C2C-Technik lassen sich verschiedenste Dinge häkeln, z.B. Dreiecktücher, Schals und Decken. Durch die Anordnung der Blöcke ergibt sich ein sehr schönes Muster, das sowohl einfarbig, meliert oder mit Farbverlauf ganz toll aussieht. Besonders in der Motivhäkelei mit mehreren Farben kommt C2C häufig zur Anwendung. Richtige Bilder können dabei in einer Decke oder einem Kissenbezug entstehen. Für eine mehrfarbige  Arbeit in dieser Art hatte ich mich entschieden. Mit Baumwollgarn in vier verschiedenen Farben von Scheepjes wollte ich mein eigenes Logo zu einer kleinen Decke verarbeiten. Verwendet habe ich eine Nadel der Stärke 3,25.

Abweichend vom Standard-Muster entschied ich mich für die Mini-C2C-Technik. Das heißt, ich arbeite anstelle der einfachen Stäbchen nur halbe Stäbchen. Dabei wird ein Block aus zwei Anfangsluftmaschen (als Ersatz für das erste halbe Stäbchen) und zwei weiteren halben Stäbchen gebildet. Dadurch wird das Muster etwas kompakter und eignet sich besser für mein Vorhaben. Außerdem gefällt es mir auch optisch besser. Die Blöcke treten auf diese Weise weniger stark hervor. Die Struktur erinnert eher an ein feines Muschelmuster.

Natürlich benötigte ich zunächst eine vernünftige Vorlage. Spezielle Software oder Apps, mit denen ich eine solche hätte erstellen können, fehlten mir. Letztlich habe ich aus der  Originalgrafik meines Logos eine übergroße und stark verpixelte Version erstellt und diese in Graustufen im A3-Format ausgedruckt, ein bißchen blauäugig, wie ich später leidvoll feststellen musste.

Der Anfang war einfach und ging flott von der Hand. Doch spätestens mit dem Hinzufügen der dritten und später auch der vierten Farbe, wurde die Arbeit recht unhandlich. Nicht selten fluchte ich beim Hantieren mit bis zu sechs verschiedenen Knäueln und dem dabei entstandenen Faden-Wirrwarr. Ich finde, auch solche Fotos muss man hier zeigen dürfen.

Tja und dann kam der Punkt, als die begonnene Arbeit in der Ecke landete. Das lag jedoch weniger an dem verloren gegangenen Interesse, sondern vielmehr an der Häkelnadel. Ich hatte meine ersten Erfahrungen mit den Nadeln von WollLolli gemacht und wollte dann irgendwann nicht mehr mit anderen Nadeln häkeln. Also griff ich lieber zu anderen Projekten und Garnen, für die ich die passende Nadelstärke besaß.

Wenn ein Projekt erst einmal in der Ecke liegt, dann droht es schnell zum UFO zu werden. Fast ein ganzes Jahr musste vergehen, bis ich die kleine begonnene Decke wieder hervor holte.

Die Ausrede mit der Häkelnadel galt inzwischen nicht mehr, denn ich war nun stolze Besitzerin einer traumhaften WollLolli Space in NS 3,25.

Im Sommer dieses Jahres nahm ich die Arbeit an der Decke endlich wieder auf. Die lange Pause erwies sich nicht als günstig. Ich hatte einige Mühe, um wieder richtig rein zu kommen. Die Häkeltechnik selbst war natürlich nicht das Problem, sondern eher solche Fragen wie der Farbwechsel, an welchen Stellen, wo lasse ich den Faden, wie war das mit Abnahmen und Zunahmen. Ich konnte mich nicht mehr so richtig daran erinnern. Und im letzten Jahr war ich einfach noch nicht so gründlich im Dokumentieren meiner Projekte.  Da musste ich jetzt einfach durch. 

Es wurde also fleißig gehäkelt, geribbelt, geflucht  und wieder gehäkelt usw.  Irgendwann lief es dann auch wieder ganz gut und ich kam ordentlich voran. Auch wenn andere Projekte im Sommer  (siehe meine vergangenen Beiträge) sich erneut vordrängelten, ließ ich mein Ziel nicht aus den Augen. 

Als die Hälfte geschafft war, das Bild schon gut Form angenommen hatte, war ich guter Dinge, dass es nun nicht mehr endlos bis zur Fertigstellung dauern würde. Denn schließlich werden die Reihen mit den Abnahmen immer kürzer. Doch es kam natürlich alles ganz anders. Im zweiten Abschnitt stand mir mit dem Schriftzug in meinem Logo das schwierigste Stück noch bevor.

An dieser Stelle zeigte sich dann ganz besonders, wie wichtig eine qualitativ hochwertige Vorlage ist. Mein Pseudo-Muster-Ausdruck erwies sich als schwierig nachzuarbeiten. Die einzelnen Pixel in verschiedenen Graustufen waren nur eine geschätzte Motiv-Vorlage. So kam es dann, dass ich nur mühsam erahnen konnte, wo ein Farbwechsel erfolgen sollte. Natürlich musste ich immer wieder ribbeln, an manchen Stellen mehrfach, weil sich die kleinen Farbkästchen einfach nicht vernünftig in das Gesamtbild einfügen wollten. Zudem waren bereits gehäkelte Reihen blockweise abgezeichnet worden, so dass eine Lesbarkeit der Vorlage mit jedem neuen Versuch immer schwieriger, wenn nicht unmöglich wurde. Teilweise war ich so verzweifelt, dass ich ans Aufgeben dachte. Doch ich hatte schon so viel Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt, dass ich es unbedingt fertigstellen wollte. Ich hatte mich schließlich damit abgefunden, dass eine nach meinen Wünschen perfekte Decke mit den mir vorliegenden Hilfsmitteln nicht realisierbar war. Das ist eine Erfahrung, die ich ungern mache. Sich mit einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis abfinden zu müssen, ist einfach nicht mein Ding. Doch was hilft’s … sollte mir das den Spaß an dem Projekt verhageln? Nein, das gehört einfach auch zur Handarbeit dazu… Also verbuchte ich es als Lernprojekt und kämpfte mich tapfer weiter durch das Blöcke-Labyrinth.

Man könnte meinen, der Rest wäre schnell erzählt, aber dies war wohl ein Projekt, dass mir die Freude am Erfolg so leicht nicht gönnen wollte. Die Buchstaben „tanzten beliebig“ durch das Muster, obwohl ich der Meinung war, alles korrekt gehäkelt zu haben. Selbst zwei gleiche Buchstaben sahen am Ende völlig verschieden aus.

Mehrfach ist mir schließlich das Garn meiner Hauptfarbe ausgegangen. Da hatte ich mich nicht nur am Anfang trotz Maschenprobe verschätzt. Auch die Nachbestellungen waren unzureichend kalkuliert. Eigentlich hätte ich mit zwei Nachkäufen auskommen müssen, aber in meiner eigenen Tüddelei hatte ich aus Versehen statt eines 50g-Knäuel nur eines mit 25g gegriffen. Also eine dritte Bestellung auf den Weg gegeben… und das wirklich auf den allerletzten Zentimetern. Dass durch die Zusatzknäule die Hintergrundfarbe nicht mehr im einheitlich Farbton erschien, war mir mittlerweile schon egal. Ich wollte nur noch fertig werden. Anfang Oktober war es dann endlich soweit. Die letzte Reihe, der letzte Block, die letzte Masche und ab in die Ecke mit einem innerlich Aufschrei…. Jaaaaa, fertig! Fäden vernähen? Später… das arbeite ich mittlerweile nach und nach ab. Der Druck, fertig zu werden, hat sich mit der allerletzten Masche vollständig entladen.

Inzwischen lache ich über die vielen absurden Momente und Situationen, die mich diese kleine Decke gekostet hat, auch über die etwas krumm geratenen Buchstaben. Diese Arbeit ist rückblickend betrachtet eine ganz außergewöhnliche Erfahrung für mich gewesen. Nicht zuletzt handelt es sich um ein Abbild meines Logos und ist schon allein deshalb etwas Besonderes für mich.
Mein Fazit: klar mache ich C2C noch einmal, aber dann mit anderer Vorbereitung, besserer Vorlage und vor allem nicht so vielen verschiedenen Farben und auch nicht mit Farbwechseln, wo es auf jeden kleinen Block ankommt wie bei den geschwungenen  Buchstaben. Mit feinerer Wolle und kleinerer Nadelstärke lässt sich dies eventuell leichter umsetzen, aber ehrlich gesagt, habe ich auf genau diese Dinge momentan wenig Lust.

Jedoch ist C2C  ein  wirklich schönes Muster und leicht zu häkeln. Die Möglichkeiten, was daraus entstehen kann, sind wirklich vielfältig. Also lasst euch durch meine teilweise turbulenten Erfahrungen nicht abschrecken und versucht es ruhig selbst einmal.

Viel Spaß und Erfolg!
Eure CC

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