Jasmin Räsänen © Morben Design
Jasmin Räsänen © Morben Design

Dieser März steht ganz im Zeichen von Morben Design. Im letzten Beitrag habe ich euch viele Häkelarbeiten nach Anleitungen von diesem Label gezeigt. Heut erfahrt ihr, wer sich hinter all diesen schönen Ideen verbirgt.

Jasmin Räsänen habe ich auf der infa kreativ in Hannover im Oktober 2017 persönlich kennengelernt. Ich durfte auch schon eines ihrer Tücher Probe häkeln. In einem Interview hat sie mir viele interessante Dinge über sich und ihre Arbeit verraten.

Hallo und schön, dass du mir Rede und Antwort stehst. Erzähl doch zunächst ganz kurz, wer bist du und woher kommst du?

Jasmin:   Ich bin Jasmin, 34 Jahre alt, komme ursprünglich aus der kleinen Stadt Achim bei Bremen, lebe aber seit 4 Jahren in Finnland. Ich bin der Liebe wegen nach Finnland gezogen. Mein Mann ist Finne und da eine Fernbeziehung für uns nicht in Frage kam, hab ich den Schritt gewagt und bin ausgewandert.

Wie sieht dein Alltag in Finnland aus?

Jasmin:   Das Leben hier ist eher ruhig und unspektakulär. Es ist ein guter Ort, um die Seele mal baumeln zu lassen. Die Sprache ist allerdings schon eine Herausforderung, aber es werden hier Kurse angeboten, um sie zu lernen.

Wie fit bist du inzwischen in der finnischen Sprache?

Jasmin:  Mittlerweile verstehe ich Finnisch ziemlich gut, auch das Schreiben und Lesen klappt einigermaßen. Beim Sprechen mache ich noch viele Fehler, aber bis jetzt hat immer jeder verstanden, was ich wollte 🙂

Finnland © Jasmin Räsänen
Jasmin Räsänen © Morben Design

Hast du dich ganz bewusst für ein Leben in dieser „dunklen und kalten“ Region entschieden?

Jasmin:   Finnland hat mich schon immer fasziniert. Bevor ich meinen Mann kennenlernte, habe ich auch schon Urlaub hier gemacht. Ich war von Anfang an verliebt in dieses Land und so war es mit dem Auswandern nicht ganz so schwer.

Wie oft kommst du nach Deutschland? Wann bist du das nächste Mal hier und aus welchem Anlass?

Jasmin:   Ich vermisse Deutschland schon sehr, besonders meine Familie. Ich fliege normalerweise zwei- bis dreimal im Jahr nach Hause. Das nächste Mal reise ich Ende März für gut zwei Wochen, zum einen, um die Familie zu besuchen und zum anderen für das erste Morben Design Häkeltreffen.

Kannst du uns zu deinem ersten Morben Design Häkeltreffen  etwas mehr verraten?

Jasmin:   Viel kann ich noch nicht verraten, da ich noch mitten in der Detailplanung bin und es das erste Treffen dieser Art ist. Hauptsächlich geht es darum, ganz ungezwungen zusammen zu sitzen, zu quatschen und zu häkeln.

Wie kam es zu dem Namen Morben Design und was bedeutet er?

Jasmin:  Morben Design hieß ursprünglich JoJa’s Suomi, aber bei der Eintragung ins Handelsregister musste ich den Namen ändern. Das Wort ‘Morben’ kommt aus der Sindarin Sprache, die Sprache der Elben aus den Werken von Tolkien. Ich bin ein sehr großer Tolkien Fan. Besonders die Elben habe es mir angetan. Grob übersetzt bedeutet es soviel wie :  Dunkel-Elb. Dunkel passt zu mir, da man mich zu 95% in schwarzem Outfit antrifft. Irgendwie hatte ich schon immer einen Hang zum Düsteren hatte.

Jasmin Räsänen © Morben Design

Wie und wann hast du das Häkeln erlernt?

Jasmin:  Das Häkeln habe ich erst hier in Finnland für mich entdeckt. Eine Freundin brachte mir etwas Wolle und eine Häkelnadel vorbei mit den Worten : Versuch es mal. Durch youtube-Videos habe ich dann die Maschen gelernt und meine ersten kleinen Häkelversuche gestartet.

Gehst du auch anderen Handarbeiten nach? Strickst oder nähst du?

Jasmin:  Hin und wieder versuche ich mich auch beim Stricken. Ich habe schon ein paar einzelne Socken, zwei Mützen und ein paar ganz leichte Tücher gestrickt, aber meist verliere ich schnell die Lust bei größeren Strickprojekten. Trotzdem versuche ich es stets aufs Neue. Ansonsten bin ich beim Thema Handarbeiten ziemlich talentfrei. Hin und wieder zeichne ich etwas, aber wenn es was zum Nähen gibt, überlasse ich das gerne meinem Mann.

Bei Morben Design geht es hauptsächlich ums Häkeln und das Angebot von Anleitungen. Du bist extrem fleißig. Wie viele Anleitungen schreibst du etwa pro Jahr?

Jasmin:  Ich muss gestehen, ich habe noch nie gezählt, wie viele Anleitungen ich im letzten Jahr geschrieben habe. 20 oder 25 vielleicht…

Hast du bei dir selbst eine Entwicklung beim Schreiben einer Anleitung entdeckt? Machst du es heut anders als am Anfang?

Jasmin: Wenn ich heute eine Anleitung schreibe, beginne ich mit der Häkelschrift, danach verfasse ich den schriftlichen Teil. Anfangs habe ich es anders herum gemacht, aber schnell herausgefunden, dass es so für mich besser klappt.

Deine Anleitung sind hauptsächlich Tücher, Stolen, Ponchos. Warum? Hast du dafür ein besonderes Faible?

Jasmin:  Schuld daran sind wohl auch die vielen Farbverlaufsgarne,  welche bei so großen Projekten wie Tüchern und Ponchos einfach richtig toll zur Geltung kommen. Ausserdem finde ich Tuchmuster wunderbar variabel. So findet man beispielsweise in vielen meiner Anleitungen, nicht nur die Beschreibung für ein Dreieckstuch, sondern auch eine extra Häkelschrift für einen einfachen Schal oder einen Loop im selben Muster. Oder es gibt das Muster auch im Quadrat für Decken oder Seelenwärmer.

Gibt es auch Strickanleitungen von dir?

Jasmin: Es gibt eine Strickanleitung von mir, die ich vor ca. 4 Jahren mal geschrieben habe und zwar für einen Zackenschal.

Welches ist deine Lieblingsanleitung, die du selbst entwickelt und geschrieben hast? Aus welchem Grund?

Jasmin:  Hmm… das ist schwer. Ich glaube, es gibt keine. Ich hab sie alle gleich lieb 🙂

Gibt es auch Anleitungen, die du nie veröffentlicht hast?

Jasmin: Ja es gibt auch ein paar Anleitungen, die unveröffentlicht sind. Die Gründe sind ganz unterschiedlich. Meistens bin ich selbst nicht mehr mit dem Ergebnis zufrieden und dann landet es in der Kiste mit den „vielleicht mal irgendwann überarbeiten-Projekten“.

Wie gehst du bei neuen Anleitungen vor? Häkelst du einfach drauf los oder überlegst du dir vorher die Muster und Maschengruppen?

Jasmin:  Unterschiedlich. Manchmal habe ich eine Idee im Kopf und mache mir Skizzen. Ein anderes Mal nehme ich mir einfach einen Bobbel, der mir gerade zusagt, schlage ein paar Maschen an und schaue wie sich das Ganze entwickelt.

Wie viele Probestücke häkelst du selbst, bevor du mit der Anleitung an die Öffentlichkeit gehst?

Jasmin: Ein Stück häkel ich immer komplett. Ein zweites Exemplar arbeite ich immer bis zur ersten Musterwiederholung, um zu schauen, ob es auch wirklich passt. Ab und zu häkel ich auch zwei vollständige Teile bis zum Schluss. Danach geht es an meine Probehäkler/innen.

Wie wählst du deine Probe-Häkler/innen aus? Kennst du alle persönlich?

Jasmin:  Meine Probehäkler/innen kenne ich leider nicht alle persönlich. Die meisten kommen aus meiner Facebook Gruppe. Ich nehme immer gerne einige, die schon öfter für mich Probe gehäkelt haben und wissen, wo ich gerne Fehler beim Schreiben mache. Dazu wähle ich ein paar, die noch nicht so erfahren sind und mir eben auch Rückmeldung geben können, ob es verständlich ist und wo vielleicht noch eine extra Erklärung notwendig ist.

Es gibt Baumwolltaschen und T-Shirts aus deinem Design z.B.  mit Logo und Auszug einer Häkelschrift (ich glaube aus dem Haltija ;-)). Wie ist es dazu gekommen? Möchtest du diese Produkte weiterverfolgen? Die Nachfrage scheint vorhanden zu sein. Ich jedenfalls bin total glücklich über mein Shirt :-).

Jasmin:
Das war eine recht spontane Idee und es wird sicher nochmal Shirts , Taschen oder Ähnliches geben. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, aber es wird sicher mal wieder etwas kommen 🙂 .

Im letzten Buch, das von myBoshi veröffentlicht wurde, findet sich neben vielen anderen Strick- und Häkel-Designern auch eine Anleitung von dir? Wie kam es dazu?

Jasmin:  Letztes Jahr konnte man sich bei myboshi mit einer Anleitung für das neue Buch bewerben. Also hab ich mein Glück versucht und es hat geklappt 🙂

War das für dich eine Premiere? Oder gibt es bereits andere Publikationen von dir in Büchern oder Zeitschriften?

Jasmin: Das war eine Premiere für mich und ich halte das Buch in Ehren.

Du hast schon so viele Anleitungen geschrieben? Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ein eigenes Buch mit deinen Arbeiten zu veröffentlichen?

Jasmin:  Ja, darüber habe ich schon nachgedacht. Aber je mehr ich mich da reinlese, desto weniger weiß ich, wie ich das am besten anstelle. Bei der Vorstellung, die Rechte an einen Verlag abzugeben, ist mir nicht so ganz wohl. Selbst Verlegen… dazu fehlt mir leider das passende Know How.

Wir haben uns auf einer Handarbeitsmesse persönlich kennengelernt, auf der du einen Workshop durchgeführt hast? War dies der erste Auftritt dieser Art für dich oder bist du diesbezüglich ein „Alter Hase“?

Jasmin: 
Der Workshop, den ich bei mybohsi auf der Handarbeitsmesse halten durfte, war auch eine Premiere für mich. Es hat super viel Spaß gemacht und war eine absolut tolle Erfahrung, aber ich war nervös ohne Ende. Meine Tante, die später das Video bei Facebook gesehen hatte, sagte am nächsten Tag zu mir :‘ Du warst aber ganz schön aufgeregt , was?‘

Wie bereitest du dich darauf vor? Suchst du ein Muster passend zur Wolle? Zum Anlass oder passend zum zeitlichen Rahmen? Gibt es Vorgaben vom Veranstalter?

Jasmin:  Es gab ein paar Vorgaben, aber im Grunde hatten wir ziemlich freie Hand. Leider war die Zeit mit nur 30 Minuten etwas knapp, so dass größere Projekte schwierig waren.

Du bist auf verschiedenen Plattformen mit deinen Arbeiten vertreten. Crazypatterns, myBoshi, deine eigene Webseite, Facebook… welche noch? Welches ist aus deiner Sicht und für dich die stärkste Plattform?

Jasmin: 
Ein paar der kostenlosen Anleitungen gibt noch bei Ravelry, aber ich persönlich mag die myboshi Plattform sehr gerne und hoffe, dass sie auch bald für internationale Verkäufe nutzbar sein wird. Bei crazypatterns habe ich sowohl die deutschen als auch die englischen Anleitungen veröffentlicht. Und so langsam kommen auch die finnischen dazu.

Wo findet man deine Fangemeinde? Im deutsch- oder englischsprachigen Raum? In Finnland? Wo sind deine Anleitungen besonders stark nachgefragt?

Jasmin:  Ich würde sagen, dass ich im deutschsprachigen Raum die meistens Fans habe. In Finnland sind meine Anleitungen noch ziemlich unbekannt, aber so nach und nach werden die Anleitungen übersetzt und ich hoffe, dass sie ähnlich gut ankommen werden.

Häkelst du nur nach eigenen Anleitungen oder auch von fremden Designern?

Jasmin: Ich häkel und stricke auch mal nach Anleitungen anderer Designer. Gerade beim Stricken bin ich auf eine Anleitung angewiesen.

Gemütlicher Häkelplatz © Jasmin Räsänen
© Morben Design

Triffst du dich für die Handarbeit auch mit Anderen? Oder häkelst du lieber allein?

Jasmin: Ich häkel eigentlich immer alleine. Bin aber auch die einzige Häkelverrückte hier bzw. ich kenne hier niemanden, der es genau so gerne macht, daher bleibt mir wohl nichts anderes übrig.

Ich glaube, die Frage nach den Lieblingsnadeln brauche ich wohl nicht zu stellen? 😉  Aber welche ist deine Lieblingswolle? Mit welcher arbeitest du am liebsten?

Jasmin: Es gibt so viel tolle Wolle. Ich mag die Scheepjes Whirl, ich mag gefachte Farbverlaufsgarne aus Baumwolle/Acryl sowie Merino und Modal. Schoppel Zauberbälle finde ich auch klasse, ebenso die myboshi Lieblingsfarben No2 und die 50/50, auch einige Garne von Drops. Es kommt immer ganz auf das Projekt an. 

Gehst du auch mal nur so in Wollgeschäfte zum Stöbern oder suchst und kaufst du alles, was du brauchst im Internet?

Jasmin: Ich gehe sehr gern in Wollgeschäfte, leider gibt es davon nur wenige, umindest hier, wo ich lebe.

Welches sind deine Lieblingsfarben?

Jasmin: Meine Lieblingsfarben, neben Schwarz, sind verschiedene Grautöne, sowie Grün und Braun in all den Facetten.

Was möchtest du auf jeden Fall und unbedingt noch einmal ausprobieren oder machen?

Jasmin: Irgendwas mit Holz…

Gibt es etwas, was du immer schon einmal machen wolltest, wo du dich bisher aber nicht herangetraut hast? Etwas Bestimmtes häkeln oder stricken? Oder eine bestimmte Anleitung in Angriff zu nehmen?

Jasmin: Den „Herr der Ringe double face strick Schal“ würde ich gern machen. Ich finde ihn absolut großartig. Aber Stricken ist eben nicht unbedingt meine Stärke und double face hab ich noch nie gemacht.

Abschließend eine letzte Frage. Was wünscht du dir für die Zukunft? Wie sehen deine Pläne für die nächsten Jahre aus?

Jasmin: Ich wünsche / hoffe auf ganz viele weitere Häkelideen, auf gemeinsame CALs, Spendenaktionen und Häkeltreffen, um  all die lieben Leute aus meiner Häkelgruppe mal persönlich zu treffen.

Jasmin Räsänen © Morben Design
Jasmin Räsänen © Morben Design

Vielen Dank, liebe Jasmin, dass ich auf diesem Weg einiges mehr über dich erfahren durfte. Ich wünsche dir, mir und deiner ganzen Fangemeinde weiterhin ganz viele tolle Ideen. Ich drücke dir die Daumen für dein erstes Morben Design Häkeltreffen, viel Erfolg und vor allem ganz viel Spaß.

Ich habe dieses Gespräch mit Jasmin schriftlich geführt. Einige der Fotos hat sie mir zur Verfügung gestellt. Viel Freude beim „immer wieder“ Lesen und Schauen.

Eure CC.

6 Antworten auf „Im Gespräch mit Jasmin Räsänen“

  1. Ich finde deine Anleitungen alle toll und gut geschrieben, sind auch für Anfänger geeignet. Nur habe ich leider nicht so viele Hände um das alles nachzuarbeiten . Weiter so und liebe Grüße

  2. Ich find Jasmin auch super! Ich finde es immer toll wenn jemand den Mut hat sein Leben zu leben und nicht nur zu träumen! Alles Liebe und Gute für dich Liebe Jasmin!

  3. Ich freue mich über Jasmin mehr erfahren zu können. Menschen, die diese Gabe haben, erstaunen mich immer wieder. Und nun haben wir auch ein klein wenig ihrer Welt kennen gelernt. Am Anfang habe ich gedacht: wow, eine Finnin, die so gut deutsch kann! Nicht lachen! 😉
    Ich bin auf jeden Fall ein großer Fan und wünsche alles Liebe und viel Erfolg

  4. Hallo, alle zusammen, ihr seid eine dufte Häkeltruppe. Nicht nur gut häkeln, auch gut miteinander umgehen, und genau das bewundere ich bei euch !!!
    Mama von ccbon -Carmi, die in Hannover zur Kreativmesse mit war.
    Ingrid Andree

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